Demenz - ein Überblick

Demenz – was versteht man darunter?

Unter dem Oberbegriff Demenz werden eine ganze Reihe von Erkrankungen zusammengefasst, denen eine Funktionsstörung des Gehirns zugrunde liegt. Alle diese Erkrankungen haben zur Folge, dass Nervenzellen und deren Verbindungen untereinander abgebaut und zerstört werden. Die Ursachen sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Grunderkrankung ab.

  • Bei der Alzheimer-Erkrankung, der wohl bekanntesten und mit rund 60 % auch am weitesten verbreiteten Demenzform werden durch ein Ungleichgewicht an chemischen Botenstoffen in der Hirnrinde die Nervenzellen geschädigt. Die Nervenzellen schrumpfen und verlieren dadurch die Verbindung untereinander. Es entstehen Lücken im Gehirn, die der Körper mit Proteinen (Eiweißstoffen) zu füllen versucht. Diese für die Alzheimer-Demenz typischen Amyloid-Plaques lagern sich an die Nervenzellen an und stören so die Weitergabe von Impulsen. Zusätzlich behindern sie die Sauerstoffversorgung des Gehirns, was weitere Beeinträchtigungen nach sich zieht. Die Struktur des Gehirns verändert sich, die Hirnsubstanz nimmt ab und das Gehirn schrumpft.
  • Bei der mit ca. 15 % am zweithäufigsten auftretenden Demenzform wird die Hirnschädigung meist durch kleine Hirninfarkte, wie Thrombosen, Embolien oder Blutungen in der Vorgeschichte begünstigt. Nervenzellen in der Umgebung der Infarkte werden nicht mehr richtig versorgt und sterben ab. Es entwickelt sich eine zerebrovaskuläre Demenz.
  • Weitere 15 % der demenzkranken Menschen sind an einer Kombination der beiden oben beschriebenen Formen erkrankt. Die übrigen 10 % der Erkrankten leiden an weiteren Demenzformen, die durch unterschiedlichste Faktoren entstanden sind.

Das Risiko an Demenz zu erkranken nimmt mit dem Alter zu. In Deutschland sind ca. 1,4 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Ca. 13,3 % der 80- bis 84-Jährigen und ca. 35 % der über 90-Jährigen sind betroffen. Demenz ist nicht heilbar und entwickelt sich oft schleichend über mehrere Jahre. Wenn der Betroffene oder sein Umfeld die ersten Symptome wahrnehmen, ist der Abbauprozess bereits in vollem Gange. An Demenz erkrankte Menschen verlieren im Laufe der Zeit ihr Gedächtnis, ihr Denkvermögen, ihre Sprache und ihre Motorik. Sie verlieren fast alle erlernten Fertigkeiten und Fähigkeiten.


Symptome der häufigsten Demenzformen

•  Alzheimer-Demenz

Typische Symptome für diese Erkrankung sind:

  • ausgeprägte Gedächtnisstörung
  • Störung des räumlichen Denkens
  • Sprachstörungen
  • Schwierigkeiten bei komplizierten oder unübersichtlichen Tätigkeiten

Später kommen räumliche Orientierungsstörungen, Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen hinzu.

•  Vaskuläre Hirnschädigung

Typische Symptome für diese Erkrankung sind:

  • Verlangsamung
  • Konzentrationsschwäche

Oft treten auch Gangstörungen, Bewegungsunsicherheiten, Blasenstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle auf. Gedächtnis, Sprache und räumliches Denken sind jedoch anfangs noch gut erhalten.

•  Mischform aus Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz

Bei der Mischform beider Demenzerkrankungen treten Alzheimer typische Symptome wie Gedächtnis-, Sprach- und Denkstörungen plus eine deutliche Verlangsamung auf.


Stadien einer Demenz

Leichte Demenz: Orientierungsprobleme, Vergesslichkeit

Mittelschwere Demenz: Stärkere Einschränkungen im Erinnerungsvermögen, im Erkennen von Personen, in der Kommunikation, mangelnde Körperhygiene, Orientierungslosigkeit, Sprachstörungen, eingeschränkte Selbständigkeit.

Schwere Demenz: Totaler Gedächtniszerfall (Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis), Sprachzerfall, Erkennungsstörungen. Der Betroffene wird bettlägerig und braucht Pflege und Betreuung rund um die Uhr. Der Erkrankte verstirbt schließlich an begleitenden Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung oder Herz-Kreislauf-Versagen. Je älter ein Mensch bei Ausbruch der Krankheit ist, desto eher sind andere, natürliche Ursachen für seinen Tod verantwortlich.


Frühsymptome

Je früher eine Demenz erkannt wird, desto länger bleibt die Lebensqualität für Betroffene und Angehörige erhalten. Darum sollten erste Symptome ernst genommen werden und auf „Abweichungen vom Normalen“ geachtet werden:

  • Vergesslichkeit, die Auswirkungen auf das Alltagsleben hat: Das Kurzzeitgedächtnis geht verloren, der Betroffene wiederholt sich, kann sich nicht an kurz zurückliegende Ereignisse erinnern, findet abgelegte Gegenstände nicht mehr.
  • Probleme bei der Planung von Tätigkeiten im Alltag: Der Betroffene kann nicht mehr nach Rezept kochen, das Essen brennt an, das Badewasser läuft über, hat Mühe eine Aufgabe zu erledigen, die mehrere Schritte beinhaltet.
  • Schwierigkeiten bei gewohnten Tätigkeiten im Alltag: Der Betroffene findet z. B. den seit Jahren bekannten Weg zum Supermarkt nicht mehr.
  • Probleme mit örtlicher Orientierung: Schwierigkeiten beim Autofahren, verfährt sich oft, verursacht Bagatellschäden, findet sich in nicht vertrauter Umgebung nicht mehr gut zurecht.
  • Probleme mit zeitlicher Orientierung: Der Betroffene hat Probleme mit der Uhrzeit, Jahreszeit, heute, gestern, morgen.
  • Sprachprobleme: Wortfindungsstörungen, andere Benennung von Gegenständen z. B. Hand-Uhr statt Armbanduhr, kann Gesprächen nicht mehr gut folgen.
  • Verlegen von Gegenständen und Auffinden an ungewöhnlichen Stellen, z. B. Haustürschlüssel im Kühlschrank
  • Verhalten: passiv, reagiert langsamer, ist misstrauisch oder regt sich leicht auf, zeigt ein ungewohnt enthemmtes Verhalten, hat Halluzinationen.

Diagnose

Frühsymptome einer Demenz werden von den Betroffenen und deren Angehörigen oft zuerst bemerkt. Mit einfachen Tests ist es möglich mit Hilfe einer Vertrauensperson vorab eine "Eigendiagnose" zu erstellen.

  • Der Dem Tect-Test (Demenz-Detection-Test) ist ein beliebter Test, der auch von Laien durchgeführt werden kann. Dauer ca. 10 Minuten.
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  • In einem Kreis eine vorgegebene Uhrzeit mit Zahlen und Zeigern zeichnen. Im Beispiel oben sollte die Zeit "halb drei" gezeichnet werden. Während die Zahlen im vorgegebenen Kreis und der große Zeiger noch okay sind,  gibt es bereits Probleme mit dem kleinen Zeiger.

 

Die fachmännische Diagnose wird oft in Zusammenarbeit mit mehreren Ärzten gestellt. Aus der Gesamtheit der Befunde wird dann versucht, die tatsächlich zutreffende Diagnose zu stellen (Differentialdiagnostik).

  • Neben dem Anamnesegespräch mit dem Betroffenen wird auch eine Fremdanamnese durchgeführt, d. h. Bekannte oder Angehörige werden nach Änderung im Verhalten, in der Persönlichkeit oder in der Stimmung befragt.
  • Mit standardisierten neuropsychologischen Tests werden Gedächtnis, Sprache, räumliche und zeitliche Orientierung, das Denken, Erleben und Verhalten überprüft.
  • Es wird auf Störungen hin untersucht, die demenzähnliche Symptome hervorrufen können wie z.B. Pseudodemenz bei Depressionen. Solche Erkrankungen sind dann meist gut therapierbar, so dass das Symptom der Demenz reversibel ist.
  • Es muss auf behandelbare Erkrankungen wie Schlaganfall oder Krebserkrankungen hin untersucht werden.
  • Kardiovaskuläre Risikofaktoren müssen durch Untersuchung des Nervensystems, des Herz-Kreislaufsystems, des Hormonsystems, des Stoffwechsels oder durch ein EKG abgeklärt werden.
  • Die typische Schrumpfung des Gehirns kann mittels CT (Computertomografie) oder MRT (Magnetresonanztomografie) nachgewiesen werden.

Behandlung, Therapie

Medikamentöse Behandlung:

Medikamente bei Demenz sind vor allem für die Alzheimer-Erkrankung verfügbar. Sie können sich nur auf die Behandlung der Symptome beschränken. Im Optimalfall kann die Bewältigung von Aufgaben im Alltag zeitweise stabilisiert werden.
Daneben gibt es aber auch Medikamente, die die Auswirkungen einer Demenz, wie z. B. Halluzinationen oder psychische Störungen beeinflussen. Über verfügbare Medikamente wird der betreuende Arzt informieren.

Nichtmedikamentöse Therapie:

Das Ziel einer nichtmedikamentösen Therapie ist es, die Anpassungsfähigkeit an das nachlassende Leistungsvermögen zu verbessern, d. h. noch vorhandene Fähigkeiten werden gefördert und das seelische Gleichgewicht wird gestärkt.

Dabei muss streng darauf geachtet werden, dass die erkrankte Person nicht überfordert oder frustriert wird, denn einmal verloren gegangene Fähigkeiten und Fertigkeiten kehren nicht mehr zurück und können deshalb auch nicht mehr geübt werden.

Zu den nichtmedikamentösen Therapien zählen:

  • Leichte geistige Stimulation durch kognitive, d. h. das Denken anregende Verfahren.
  • Erinnerungspflege durch emotions- und identitätsorientierte Verfahren
  • Spielerisches Üben von alltagspraktischen Fertigkeiten mittels Ergotherapie
  • Bewegungstherapie durch körperliche Aktivierung
  • Künstlerische Therapien mit Musik und Kunst
  • Sensorische Verfahren, z. B. Aromatherapie

Generell ist es sinnvoll, wenn Angehörige mit in die Therapien einbezogen werden, damit die gezeigten Hilfestellungen auch im Alltag angewendet werden können.

Ernährung:

Die Nahrung sollte ausreichend, gesund, ausgewogen und hochkalorisch sein. Da bei den Erkrankten ein geringeres Bedürfnis nach Essen und Trinken besteht und auch Schluckstörungen auftreten können, sollte auf einen eventuellen Gewichtsverlust geachtet werden. Das Essverhalten kann durch regelmäßige Essenzeiten und durch gemeinsames Kochen unterstützt werden. Ernährung über eine Sonde ist nur bei Schluckstörungen und bei gutem Gesundheitszustand sinnvoll.


Risikofaktoren

Folgende Risikofaktoren können eine Demenz-Erkrankung begünstigen:

  • 2. Lebenshälfte und hohes Alter
  • weibliches Geschlecht (bedingt durch höhere Lebenserwartung und hormonelle Einflüsse)
  • Demenz bei Verwandten 1. Grades
  • Schädel-Hirn-Trauma in der Vorgeschichte
  • Vorliegen bestimmter neurologischer Erkrankungen wie z. B. Parkinson-Krankheit oder Down-Syndrom
  • Vorangegangener Schlaganfall vor allem in Kombination mit weiteren Risikofaktoren des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Geringe geistige Aktivität
  • Fehlende soziale Kontakte
  • Alkoholabhängigkeit
  • Vaskuläre Risiken, d. h. Vorliegen von Erkrankungen, die die Gefäße schädigen können wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit oder Rauchen

Vorbeugung – Prävention

Man kann der Entstehung einer Demenz am ehesten entgegenwirken, indem man die Risikofaktoren, die das Entstehen einer Demenz begünstigen, möglichst in allen Lebensabschnitten, beeinflusst. Dazu gehören:

  • Rege geistige Aktivität
  • Regelmäßige körperliche Bewegung
  • Ausgewogene Ernährung
  • Aktives soziales Leben, d. h. Pflege der Kontakte zu Freunden und der Familie
  • Senkung der vaskulären Risikofaktoren, d. h. Behandlung der Krankheiten, die eine Schädigung der Gefäße zur Folge haben, z. B. Bluthochdruck oder hoher Blutzuckerspiegel.

Je länger man geistig aktiv bleibt, desto länger können die Folgen einer Demenz ausgeglichen werden.

Stand: Januar 2018


Quellen:
www.pflege.de/leben-im-alter/ •  www.demenz-leitlinie.de/ •  www.apotheken-umschau.de/Alzheimer •  www.demenz-aktuell.de

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