Wissenswertes über Zecken

Wissenswertes über Zecken

Die Zecke (Ixodida) zählt wegen ihrer acht Beine zur Klasse der Spinnentiere und gehört zur Gruppe der Milben. Sie ist ein Parasit, d. h. sie ernährt sich vom Blut warmblütiger Lebewesen. Die bekannteste Zeckenart in Deutschland, d.h. die Zeckenart, die den Menschen am häufigsten sticht, ist der Gemeine Holzbock, lat. Ixodes ricinus. In vollgesogenem Zustand ähnelt er einem Rizinus-Samen.
Er gehört zur Familie der Schildzecken, die überall auf der Erde vorkommen, ausgenommen in der Arktis und Antarktis. Der Gemeine Holzbock kann bis zu 6 Jahre alt werden.
Zecken können weder springen noch fliegen, sie bewegen sich ausschließlich durch Krabbeln fort. Außerdem schlafen sie nie, sondern sind, wenn die Temperaturen es zulassen, immer in Bewegung. Die Atemöffnungen befinden sich hinter dem letzten Beinpaar, im Gegensatz zu einigen anderen Schildzecken hat der Gemeine Holzbock keine Augen.


Die Zecken durchleben nach dem Schlüpfen drei Entwicklungstadien, die sie durch Häutung erreichen:

  • Die Larve ist ca. 0,5 mm groß, hat 6 Beine und ist geschlechtslos. Sie befällt vor allem kleine Säugetiere, wie Mäuse oder Igel.
  • Die Nymphe ist ca. 1,0 mm groß hat bereits 8 Beine und ist immer noch geschlechtslos. Sie befällt kleinere Säugetiere, wie Eichhörnchen, Igel oder Füchse und durch die große Zahl der Nymphen sind auch Menschen gefährdet.
  • Die erwachsenen Zecken, Adultus genannt, sind 2-4 mm groß. In diesem Stadium gibt es männliche und weibliche Zecken.

38469866 s141294998 s1Jedes Stadium benötigt 1 "Blutmahlzeit", um sich weiterzuentwickeln. Die Zecke benötigt dabei sehr viel Blut, so dass sie im Extremfall bis zu 15 Tage an ihrem Wirt haftet. Sie kann mehrere Monate bis Jahre in einem Stadium verharren.

Bei den adulten, den erwachsenen Zecken nimmt nur das Weibchen noch eine "Blutmahlzeit" zu sich, um die Bildung von bis zu 3000 Eiern anzuregen. Danach paart es sich mit einem Männchen, das durch spezielle Duftstoffe (Pheromone) angelockt wurde, indem dieses sein Spermienpaket in die Geschlechtsöffnung am Bauch des Weibchen ablegt.
Das Männchen stirbt kurz darauf und das Weibchen legt einige Wochen später die befruchteten Eier, auch "Zeckenkaviar" genannt, ins dichte Unterholz ab. Dann stirbt auch das Weibchen.

Zecken leben in der niederen Vegetation bis 1,50 m Höhe, wie Gras, Kräutern oder Büschen. und können durch Mäuse oder Vögel auch in die Vorgärten getragen werden. Es ist ein Irrglaube, dass sie sich von den Bäumen auf ihre "Opfer" stürzen würden. Da der Gemeine Holzbock keine Augen besitzt, ortet er seinen zukünftigen Wirt allein über das Hallersche Organ, das sich an den Vorderbeinen befindet. Dieses Organ registriert Bodenschwingungen, Wärme und Duftstoffe, wie Aminosäuren, Ammoniak, Buttersäure und Milchsäuren. Dabei scheint die "richtige Mischung" den Menschen als Wirt interessant zu machen. Das könnte auch der Grund sein, warum manche Menschen öfters gestochen werden als andere.

824470 s1Die Zecke besitzt einen hochentwickelten Stechapparat mit vielen kleinen Widerhaken. Das scherenförmige Mundwerkzeug reißt die Haut auf und gräbt sich mit dem Stachel in das Gewebe. Dort bildet sich eine Grube, die mit Blut vollläuft, das von der Zecke immer wieder abgepumpt wird. Dabei sondert sie über den Speichel ein Lokalanästhetikum ab, so dass das Lebewesen den Stich nicht bemerkt. Der Speichel enthält auch Stoffe, die dafür sorgen, dass das Blut nicht gerinnt und sich die Einstichstelle nicht entzündet. Manche Zeckenarten, der Gemeine Holzbock gehört nicht dazu, geben noch zusätzlich einen Klebstoff ab, den man "Zement" nennt, damit sie nicht so schnell abgestreift werden können.

Die Zecke verdaut das Blut, indem sie die festen Bestandteile herausfiltert. Überschüssige Flüssigkeit gibt sie wieder über den Stachel an den Wirt zurück, und damit auch Krankheitserreger, die sich im Darm aufhalten.

Zecken sind ab ca. 7 Grad Celsius aktiv, darunter verfallen sie in eine Art Winterstarre, d.h. sie halten sich unter Laub und Schnee auf und warten darauf, dass es wärmer wird. Das bedeutet aber auch, dass Zecken in Jahren mit milden Wintern auch in dieser Jahreszeit aktiv sind. Sie stechen dort, wo die Haut dünn, feucht, warm und gut durchblutet ist, wie in den Kniekehlen, Arme, Hals, Kopf, im Schritt oder im Leistenbereich. Sie wandern, wenn sie sich an einen potentiellen Wirt geheftet haben, auch gezielt an diese Stellen. Ist die Zecke vollgesogen, lässt sie sich von ihrem Wirt abfallen, dabei kann sie 200mal soviel wiegen wie eine ungesogene Zecke und bis zu 3 cm groß werden.

 

So entfernen Sie eine Zecke

Zecken können ernstzunehmende Krankheiten übertragen. Aus diesem Grund sollte man vermeiden, mit ihnen in Kontakt zu kommen.

  • Tragen Sie geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen, festes Schuhwerk und ziehen Sie die Strümpfe über die Hosenbeine.
  • Vermeiden Sie Aufenthalte im hohen Gras und im Unterholz.
  • Benutzen Sie ein Zeckenschutzmittel.
  • Suchen Sie Ihren Körper nach einem Aufenthalt im Freien nach Zecken ab.

Sollten Sie eine Zecke entdecken, muss diese so schnell wie möglich entfernt werden. Dabei sollten Sie keinen Klebstoff oder Öl verwenden, da die Zecke im Todeskampf noch Viren und Bakterien abgeben kann. Benutzen Sie zum Entfernen einer Zecke eine Zeckenzange oder eine Pinzette (daneben werden auch noch Zeckenlasso oder Zeckenkarte angeboten).

Die Regel lautet hier: Hautnah - langsam - kontrolliert.

2020986 s 1Sie sollten die Zecke hautnah fassen, etwas hin und her bewegen, um die Widerhaken zu lockern, eventuell leicht drehen und herausziehen. Die Drehrichtung ist dabei egal, da der Stachel kein Gewinde besitzt. Sollte etwas in der Haut zurückbleiben, ist das nicht der Kopf der Zecke, sondern nur ein Teil des Stechapparates. Dieser wird vom Körper abgestoßen und ist nicht mehr gefährlich.

Die Stichstelle wird anschließend gesäubert und desinfiziert. Die Zecke entsorgen Sie, indem Sie sie in Papier einwickeln und mit einem harten Gegenstand, wie z.B. einem Glas zerquetschen. Übrigens: Zecken, die sich eventuell in der Kleidung verfangen haben, werden erst in einem Waschgang ab 60 Grad Celsius oder im Trockner abgetötet.

Beobachten Sie in den nächsten Wochen die Stichstelle und ihren Körper. Tritt eine Ausweitung der Rötung auf oder geht sie nicht zurück, nimmt die Schwellung nicht ab, haben Sie Schmerzen oder Fieber oder ist Ihr Allgemeinbefinden beeinträchtigt, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen und ihn auf den Zeckenstich hinweisen.

Wie wirken Zeckensprays?

Zeckensprays verändern die Duftmischung, die jeder Mensch ausstrahlt. Somit ist der Mensch für die Zecke nicht mehr als Wirt erkennbar.

 

Krankheiten, die durch Zecken auf Menschen übertragen werden können:

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis - FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis wurde nach ihrer erstmaligen Beschreibung im Frühsommer benannt. Sie wird durch Viren hervorgerufen, die sich im Speichel der Zecke befinden. Sie kann schon nach kurzem Kontakt mit einer Zecke übertragen werden.
In Deutschland tragen nicht alle Zecken dieses Virus in sich, sondern es gibt Gebiete, in denen infizierte Zecken gehäuft auftreten. Die Gefahr, nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet zu erkranken, beträgt 1 : 150.

In Deutschland werden pro Jahr ca. 300 - 400 FSME-Erkrankungen gemeldet. Nicht jeder, der an FSME erkrankt, hat einen schweren Krankheitsverlauf. Es ist unklar, warum einige Menschen schwer erkranken und andere ohne sichtliche Erkrankungszeichen bleiben. Das FSME-Virus greift das Zentralnervensystem an. Bei leichteren Formen kann eine Gehirnhautentzündung auftreten, schwerere Fälle gehen mit einer Gehirn- und/oder Rückenmarksentzündung einher. 50 % der Schwererkrankten leiden dauerhaft an neurologischen Folgeschäden, 30 Prozent sterben an dieser Erkrankung und 20 Prozent werden wieder ganz gesund.
Je länger die Zecke saugt, desto größer ist das Risiko. FSME kann nicht behandelt werden, nur die Symptome können gelindert werden. Deshalb ist eine Impfung, die in 3 Impfdosen erfolgt, um so wichtiger. Nach einer überstandenen Erkrankung besteht lebenslange Immunität.

Über die in Deutschland angebotenen Impfstoffe und die dazugehörenden Impfschemata informieren wir Sie gerne. Bitte sprechen Sie uns an.

Der Landkreis Birkenfeld ist Risikogebiet für FSME. Darum wird eine FSME-Impfung von der Kasse übernommen. Bitte sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, wenn Sie sich impfen lassen möchten.

 

Die Borreliose

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Sie ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung und eine Infizierung ist überall in Deutschland möglich. Etwa 25 Prozent der Zecken sind mit Borrelien infiziert, Schätzungen zufolge erkranken jährlich etwa 100.000 Menschen. Zur Zeit gibt es noch keine Impfung für den Menschen. Es wird keine Immunität erworben, das bedeutet man kann immer wieder an einer Borreliose erkranken.

Borrelien befinden sich im Mitteldarm der Zecken, d. h. eine Infektion des Lebewesens erfolgt erst nach einigen Stunden Dauer des Saugakts. Je schneller die Zecke entfernt wird, um so geringer ist das Risiko.

Die Borreliose wird in 3 Stadien eingeteilt. Das erste Stadium mit seinen nicht eindeutigen Symptomen, wie Abgeschlagenheit, Fieber oder Kopfschmerzen ist schwer zu diagnostizieren. Ein charakteristisches Symptom ist die Wanderröte (Erythema migrans), die einige Tage bis Wochen rund um den Zeckenstich auftreten kann.
Im Stadium II treten verschiedenste Krankheitszeichen auf, wie Hirnhautentzündung, starke Schmerzen, Herzprobleme oder Gesichtslähmung.
Im Stadium III, dem chronischen Spätstadium, treten vor allem Gelenksentzündungen auf und die Haut ist pergamentartig.
Die Borreliose ist im Frühstadium gut mit Antibiotika zu behandeln, bei chronischen Symptomen sind oft mehrwöchige Infusionen notwendig.

In Deutschland macht sich vermehrt eine neue Zeckenart breit, die bisher nur im Mittelmeerraum bekannt war: die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Sie kann bisher in Deutschland weitgehend unbekannte Krankheiten, wie z. B. die Babesiose übertragen.

 

Tiere und Zecken

hundZecken können auf Tiere, wie Hunde, Katzen oder Pferde ebenfalls gefährliche Krankheiten übertragen. Deshalb sollten Sie Ihre Tiere regelmäßig nach Zecken absuchen und auch vorbeugend etwas dagegen unternehmen. Vorbeugend können Spot-on-Präparate eingesetzt werden, die alle vier Wochen auf den Nackenbereich der Tiere aufgetragen werden. Von dort aus verteilt sich das Antiparasitikum über den ganzen Körper und hilft, Zecken abzuwehren bzw. tötet sie ab, bevor sie Blut saugen.

Zu den Krankheiten, mit denen sich Tiere infizieren können, zählen

  • die FSME, gegen die beim Tier nicht geimpft werden kann,
  • die Borreliose, die beim Hund durch Borrelia burgdorferi sensu strictu ausgelöst wird. Hunde können in Deutschland dagegen geimpft werden, da diese Krankheit bei Hunden nur von dieser einen Borrelienart ausgelöst wird. Das Tier leidet an Gelenksentzündungen, hat Schmerzen und neurologische Defizite.
  • die Babesiose, die durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen wird, und auch "Hundemalaria" genannt wird. Verantwortlich sind kleine Sporentierchen, die Babesien. Hier werden, wie bei der Malaria beim Menschen rote Blutkörperchen zerstört, was weitreichende Konsequenzen hat. Sie kann tödlich verlaufen. Behandelt wird mit Antiprotozoika. Bisher konnte diese Krankheit hauptsächlich bei Reisen in den Mittelmeerraum übertragen werden.
  • Die Ehrlichiose wird durch Ehrlichia-Bakterien verursacht, die hauptsächlich im Mittelmeerraum auftreten. Symptome sind Fieber, Blutungen, Erbrechen, Abmagerung und Abgeschlagenheit. Behandelt wird mit Antibiotika.

Es gibt weitere Krankheiten, die von der Zecke auf Mensch und Tier übertragen werden können, auf die wir hier aber nicht näher eingehen können.

Es ist wichtig, dass Sie erkennen, wie wichtig Zeckenschutz ist und wie Sie reagieren sollten, wenn Sie oder Ihr Tier doch mal von einer Zecke gestochen worden sind. Denn auch hier gilt: Wissen schützt!

  • Sie haben weitere Fragen?
    Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gerne.
  • Sie haben die Befürchtung, sich infiziert zu haben?
    Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt!
  • Sie möchten sich gegen FSME impfen lassen?
    Setzen Sie sich mit Ihrem Arzt in Verbindung.

 


Quellen: www.zecken.de, www.rki.de
Stand: Februar 2017


 

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